
Tabelle der Antworten © ADFC_Offenbach
Wahlprüfsteine zum Offenbacher Radverkehr
Am 15. März wählt Offenbach eine neue Stadtverordnetenversammlung. Im Fokus stehen Themen wie Wirtschaft und Sicherheit. Kann da der Radverkehr auch eine Rolle für die Wahlentscheidung sein?
Wahlprüfsteine zum Offenbacher Radverkehr
Fragen an die Offenbacher Parteien und Wählervereinigungen
Am 15. März wählt Offenbach eine neue Stadtverordnetenversammlung. Im Fokus stehen Themen wie Wirtschaft und Sicherheit. Kann da der Radverkehr auch eine Rolle für die Wahlentscheidung sein? Und welche Partei macht den Radfahrenden ein gutes Angebot für die nächsten fünf Jahre?
Der ADFC Offenbach hat sieben konkrete Fragen zu aktuellen Projekten und Planungen gestellt. Die Antworten der Parteien und Wählervereinigungen zeigen klar die Unterschiede und die Übereinstimmungen auf.
In Frage 1 wird gefragt, wie man es mit der weiteren Umsetzung der bereits beschlossenen 63 Maßnahmen aus dem Radentscheid hält. Die Antworten zeigen große Unterschiede. Die SPD will neu priorisieren und bei größeren Maßnahmen vorab Verkehrsversuche durchführen, die CDU will nur umsetzen bei Vereinbarkeit mit anderen Verkehrsarten, die FDP macht es von der Finanzierung abhängig und die Freien Wähler wollen eine kritische Überprüfung. Die Grünen, Linke, Tierschutzpartei, Volt und die OFA sind sich einig, dass zügig weiter umgesetzt werden soll.
In Frage 2 geht es um die Verbesserung der Offenbacher Fahrradstraßen. Wie kann gewährleistet werden, dass der unberechtigte (Auto-) Durchgangsverkehr verhindert wird, z.B. mit einem Modalfilter. Während für die CDU pauschale Einschränkungen des Autoverkehrs abgelehnt werden, die FDP den Einzelfall prüfen möchte, sprechen sich die anderen Parteien mehr oder weniger für eine Reduzierung des Durchgangsverkehrs aus. Und für die Grünen und Linken ist klar, dass die Fahrradstraßen weiter ausgebaut werden sollen.
In Frage 3 wird die Position zum Radschnellweg FRM8, der zukünftig von Hanau kommend Offenbach von Ost nach West in Richtung Frankfurt durchqueren wird, abgefragt. Grundsätzlich unterstützen alle Parteien das Vorhaben, aber die Herausforderungen der Trassenführung werden oft betont. Es zeigt sich, dass die aktuell stattfindende Variantenprüfung durch die Planungsgesellschaft von den Parteien erst abgewartet wird.
In Frage 4 wird nach der Umsetzung von Schulstraßen gefragt. An der Grundschule in Bieber gibt es in Offenbach bereits ein erstes Beispiel einer temporären Straßensperrung zum Schulbeginn und Schulende. Die Antworten variieren: Schulstraßen ausbauen! (Grüne, Ofa, Volt, Linke und Tierschutzpartei) und Schulstraßen prüfen! (CDU, SPD, FDP und Freie Wähler)
In Frage 5 geht es um das immer noch nicht in Vollbetrieb befindliche Fahrradparkhaus in der Berliner Straße und um weitere, sichere Radabstellanlagen, die Raddiebstähle verhindern können. Alle Parteien bis auf die SPD wollen das Fahrradparkhaus in den Vollbetrieb überführen, nur die SPD glaubt mit der Übergangslösung auf eine Finanzierung warten zu können. Weitere Radabstellanlegen unterstützen alle, gerne mit Überdachung (Freie Wähler und Tierschutzpartei) Beleuchtung (CDU und Freie Wähler), mit Lademöglichkeiten (Freie Wähler) und speziell an Knotenpunkten (Grüne, Linke und FDP).
In Frage 6 werden die Alltagsprobleme der Radfahrenden in Offenbach beleuchtet. Hier sind unter anderem die nicht sanierten und oft zugeparkten Radwege ein Problem. Konsequente Kontrollen, um die Radstreifen freizumachen, haben alle Parteien genannt, die Grünen haben speziell auf die Fahrrad-Staffel der Verkehrspolizei hingewiesen. Die Sanierung der Radwege hat für die CDU Vorrang vor der Realisierung neuer Projekte. Bei der SPD liest man „wirkungsorientierte Sanierung“, die OFA will „Sanierung priorisieren“, die Grünen wollen die „Sanierung fortsetzen“ die FDP das „Budget für Sanierungen erhöhen“ und die Linken „konsequent sanieren“. Auch alle anderen bejahen eine Sanierung der Radwege.
In Frage 7 können sich die Parteien zum Ziel, Steigerung des Umweltverbunds (Fuß- und Radverkehr und ÖPNV), positionieren. Die SPD will die Mobilitätswende sozial, gerecht und nachhaltig vollziehen und auch die Grünen sehen eine klimafreundliche und bezahlbare Mobilität als eine zentrale Maßnahme sozialer Gerechtigkeit. Die Stärkung des Umweltverbunds ist für die Ofa, Volt, FDP, Linke und Tierschutzpartei ein wichtiges Ziel. Für CDU und Freie Wähler muss sichergestellt sein, andere Verkehrsmittel nicht zu verdrängen, bzw. ohne einzelne Verkehrsarten auszuspielen.
Nach den Wahlen wird es sich zeigen, ob sich die dann neu zu formierende Koalition an die hier formulierten Ziele halten wird. Oder ob die Haltbarkeit von Wahlversprechen nur von kurzer Dauer sind. Der ADFC wird genau hinschauen, beim schon lange erwarteten Vollbetrieb des Fahrradparkhauses, bei der notwendigen Sanierung von Radwegen, bei der Verbesserung der Fahrradstraßen, bei der Umsetzung und Ausbau der Radwege und des Radschnellwegs. Und die von Grünen und SPD in ihren Wahlprogrammen geforderte Einsetzung eines Fuß- und Radverkehrsbeauftragten ist in Offenbach schon lange überfällig. Eine Wahlempfehlung werden wir nicht abgeben, jeder kann sich gerne ein eigenes Bild machen. Die kompletten Antworten der Parteien können ab dem 11.02.2026 auf der Webseite unter https://offenbach.adfc.de/wahlpruefsteine-zum-offenbacher-radverkehr abgerufen werden.
Und wer sich fragt, warum die AFD nicht dabei ist, die haben wir nicht gefragt. Als ADFC fühlen wir uns der Demokratie verpflichtet und eine gesichert rechtsextreme Partei ist für uns keine Option. Und von BIG und BSW haben wir keine Antwort bekommen.